Kontakt / Über uns

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Arbeitsgemeinschaft Anna Freud e.V.
Theaterplatz 15
52062 Aachen

Kontonr.: 1 070 396 781
BLZ: 390 500 00
IBAN: DE79 3905 0000 1070 3967 81
SWIFT/BIC: AACSDE33XXX
Sparkasse Aachen

1. Vorsitz: Marita Zander-Barts
Stellvertretende Vorsitzende: Margarete Nachtwey
Schatzmeisterin: Heike Schmitt
Schriftführung: Dr. Gabriele Potthoff-Westerheide

Über uns

Als praktizierende analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen haben wir den Verein „Anna Freud e.V.“ gegründet, um das Verständnis von seelischer Entwicklung, von Erkrankungen und Krisen und deren zugrunde liegenden unbewussten Konflikten zu fördern.

Mit unserer bisherigen Arbeit ist es uns in Kooperation mit dem Fachbereich Sozialwesen der KatHO (Katholischen Hochschule Abteilung Aachen) gelungen, erfahrene Fachreferenten zu gewinnen, Supervisionen und Fortbildungsangebote zu organisieren und uns in aktuellen öffentlichen Stellungnahmen für ein analytisches Verstehen einzusetzen. Unsere Veranstaltungen richten sich an Kollegen, Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Eltern und alle Interessierten.

Referenten / Veranstaltungen

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Dr. Ilany Kogan

Befreiung von der Macht des Schicksals

Auch 2008 ist es gelungen, mit Dr. Ilany Kogan eine international renommierte Psychoanalytikerin aus Israel zu gewinnen, aus ihrem reichen Erfahrungsschatz in der langjährigen Forschung und therapeutischen Arbeit mit Holocaust-Überlebenden, deren Kindern und Enkeln zu referieren.

Im Zentrum ihres Vortrags in einer überfüllten Aula stand Dr. Kogan’s These einer unbewussten selbstzerstörerischen Reinszenierung traumatischer Erlebnisse durch die Nachkommen vieler Holocaust-Überlebender, die aus Scham, Schmerz und Furcht nicht mehr über die erlebten Nazi-Verbrechen sprechen, sie gleichsam ausblenden. Diese ausgeblendeten psychischen Kräfte übertragen sich subtil und unbewusst auf deren Kinder und Enkel, die sich dadurch unfrei, wie unter Zwang stehend, in einer tragischen Bindung an die von den Eltern verschwiegenen Traumata erleben.

Viele der Nachkommen von Holocaust-Überlebenden benötigen oft über Jahre psychotherapeutische Hilfe, um über den Weg der Trennung und Differenzierung von ihren traumatisierten Eltern frei zu werden, ein eigenständiges Leben zu führen.

Die Fallgeschichten, die Dr. Kogan in ihrem Vortrag beschrieb,vermittelten höchst anschaulich, wie komplex und schmerzvoll, letztlich jedoch erlösend und befreiend die Spurensuche in die Vergangenheit der Eltern verlaufen kann. Dabei bezog sie sich immer wieder auf die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Studien zu den Auswirkungen des Holocaust auf die zweite und dritte Generation, für die sie auf dem Kongress der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 2005 in Rio de Janeiro mit dem Elise M. Hayman Preis ausgezeichnet wurde. Sowohl der unmittelbare Transfer relevanter wissenschaftlicher Erkenntnisse auf die konkrete Praxis psychosozialen und therapeutischen Handelns, als auch der konkrete Erfahrungsaustausch mit praktizierenden Wissenschaftlern ist gerade für die Aachener Abteilung der Katholischen Hochschule NRW mit Blick auf den 2009 beginnenden konsekutiven Masterstudiengang Social Work (M.A.) mit einem Schwerpunkt „Klinisch therapeutische Sozialarbeit“ von besonderer Bedeutung. So konnten in einer an Dr. Kogans Vortrag anschließenden Diskussion die Studierenden, DozentInnen, Fachkräfte und Gäste aus ganz unterschiedlichen Feldern des Gesundheits- und Sozialwesens erleben, wie lebendig, bewusstseinserweiternd und versöhnlich die Begegnung und das Gespräch mit Dr. Kogan als einer Repräsentantin der Generation der Holocaust-Überlebenden sein kann. Umso schlimmer und unverständlicher ist dagegen die Entscheidung des Vatikans, die Exkommunikation des Bischofs Williamson aufzuheben, der den Holocaust leugnet. In Übereinstimmung mit vielen deutschen Bischöfen kann deren Position nur unterstützt werden, dass es für Holocaust-Leugner keinen Platz in der katholischen Kirche geben kann. (Baur)

 

Migration als Stresstrauma

Fachvortrag Dr. Ilany Kogan (30.11.2010, Aachen)

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Von links: Prof Jörg Baur, Renate Gaspar, Dr. Ilany Kogan, Prof. Wolfgang Domma.
Foto Dechamps

Die Psychoanalytikerin Ilany Kogan war auf Einladung von Jörg Baur, Professor für Klinische Psychologie an der KatHO NRW Aachen, und Renate Gaspar von der Arbeitsgemeinschaft Anna Freud für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie e.V., nach Aachen gekommen.

Migration ist für diejenigen, die in ein ihnen unbekanntes Land einwandern, mit vielen Stressfaktoren verbunden. Daher haben Migranten ein höheres Risiko, psychosomatisch zu erkranken bei gleichzeitiger Unterversorgung, was Sozialarbeit und Therapie betrifft.

Wie die Behandlung traumatisierter Migranten gelingen kann, stellte die international bekannte israelische Psychoanalytikerin Dr. Ilany Kogan bei einem Vortrag an der Katholischen Hochschule NRW Aachen am Beispiel eines ihrer Patienten vor.

Zwischen Bruch und Bewältigung sieht Kogan die Menschen, die ihre Heimat verlassen, um in einem anderen Land Fuß zu fassen. Schon die Migration an sich stelle eine Kumulation von Faktoren dar, die Angst und Stress erzeugen. Für die Betroffenen bedeute es immer Trennung, Verlust und Abbruch ihrer bisherigen Beziehungen, ihres bisherigen Lebens.

Viele Migranten wurden schon vor ihrer Auswanderung traumatisiert durch die Lebensumstände in ihrem Ursprungsland. Wird Migration dann als Versuch verstanden, die bestehenden Traumatisierungen zu bewältigen, so ist ein Scheitern häufig vorprogrammiert. Denn der Übergang in eine noch fremde Kultur und Mentalität kann zur psychosozialen Dauerbelastung führen.

Einsamkeit, Sprachprobleme und mangelnde Zugehörigkeit machen den Betroffenen zu schaffen. Die Psychoanalytikerin Kogan beschreibt den Neuanfang im fremden Land sogar als Prozess der Infantilisierung, denn Migranten müssen wie ein Kind die neue Sprache erlernen und sind anfangs nur unzureichend in der Lage, sich differenziert und so kompetent, wie es ihrem Erwachsenenalter entspricht, auszudrücken. Die Migration könne eine Bedrohung der Identität darstellen, denn unbewältigte Angst und Trauer gefährden die Persönlichkeit.

Am Beispiel ihres Patienten führte Kogan vor, wie zu einer gelingenden gesellschaftlichen Integration auch die Integration der Herkunftskultur, -sprache und –religion in die persönliche Identität gehört. Mit dem Verlassen des Heimatlandes müssen Migranten zwar einen Bruch vollziehen, es muss ihnen aber gelingen, diesen Teil ihrer Identität in ihr neues Leben erfolgreich zu integrieren.

 

Person

Ilany Kogan ist Lehranalytikerin der Israelischen Psychoanalytischen Gesellschaft, Supervisorin in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf, in der Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse (MAP) und am Psychotherapeutischen Zentrum für Kinder- und Jugendliche in Bukarest sowie Ausbilderin und Supervisorin an der IPA Psychoanalytic Group in Istanbul. Sie war Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Fritz Bauer-Instituts für Holocaust-Forschung in Frankfurt am Main. Kogan hat intensive Forschungen mit den Nachkommen der Holocaust-Überlebenden betrieben. 2005 erhielt sie den Elise M. Hayman Award for the Study of the Holocaust and Genocide. Sie ist weltweit als Ausbilderin und Supervisorin tätig und arbeitet in Tel Aviv in privater Praxis.

 

Literatur

Ilany-Kogan-Mit-der-Trauer-kämpfen Ilany Kogan: Mit der Trauer kämpfen

Schmerz und Trauer in der Psychotherapie trau matisierter Menschen. Wie können Psychoanalytiker Patienten beim Umgang mit Schmerz und Trauer helfen? Was ist ihre Rolle im Trauerprozess? Wie kann Trauer gelingen? Ziel der therapeutischen Arbeit ist es, dem Patienten Trauer zu ermöglichen und ihm zu helfen, seine Hilflosigkeit zu ertragen.

 

KC_Wortmarke_SB_FB.indd Ilany Kogan: Flucht vor dem Selbstsein.

Über das Niederreißen von Grenzen und das Verlangen nach Einssein

Das beeindruckende, detaillierte Fallbeispiel einer Behandlung eines mehrfach traumatisierten Patienten, dessen Eltern Holocaust-Überlebende sind. Er ist Opfer und Täter zugleich. Wie schon in der Beziehung zu seiner Mutter versucht er, mit seiner Therapeutin eins zu werden, alle Grenzen zu übertreten und sie letztendlich zu zerstören. Kogan schildert, wie es ihr trotz aller Schwierigkeiten und allen Leids gelang, die Therapie aus- und durchzustehen, dem Leben einen Sinn zu geben.



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Analytische Kindertherapie

Analytische Kindertherapie

Die analytische Kindertherapie hat zum Ziel, die emotionale Welt von Kindern und Jugendlichen zu verstehen. Es sollen für ihre seelischen Konflikte Lösungen gefunden werden, damit Symptome an Bedeutung verlieren und überflüssig werden.

Kinder und Jugendliche

Reifungsprozesse und Entwicklungsschritte bestimmen die Kindheit und das Jugendalter. Manches Mädchen, mancher Junge geraten dabei in schwere Krisen und unlösbare innere Konflikte oder erleben traumatisierende Beziehungen und Ereignisse, die die unbeschwerte Entwicklung hemmen. Dabei können psychische und somatische Symptome auftreten, wie etwa Ängste, Zwänge, Depressionen, Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten, Suizidgedanken, Beschwerden wie Bauchund Kopfschmerzen, soziale Auffälligkeiten wie Rückzug, Schule schwänzen, Stehlen und Lügen.

Sind diese Symptome nicht nur vorübergehender Natur, sondern bringen das Kind und seine Umwelt in Not und Sorge, dann brauchen die Heranwachsenden therapeutische Hilfe.

Denn „Zeit allein heilt keine Wunden“

(Eckstaedt, Anita; Klüver, Rolf: Zeit allein heilt keine Wunden, Frankfurt a.M. 1980)

Anna Freud

Anna Freud im Portrait
( *1895 in Wien – †1982 in London)

Anna Freud wurde 1895 in Wien geboren. Sie war die jüngste Tochter von Martha und Sigmund Freud und wurde in den 1920er Jahren eine seiner engsten Mitarbeiterinnen.

Als gelernte Pädagogin entwickelte sie die Psychoanalyse des Kindes in Theorie und Praxis („Einführung in die Technik der Kinderanalyse“, 1927; „Wege und Irrwege in der Kinderentwicklung“, 1965). Ihre Schrift „Das Ich und die Abwehrmechanismen“ (1936) ist ein Meilenstein in der Weiterentwicklung der psychoanalytischen Theorie.

1938 emigierte Anna Freud mit ihrer Familie und ihrem schon schwer kranken Vater nach London. Dort gründete sie mit Dorothy Burlingham ein Waisenheim für kriegstraumatisierte Kinder, die „Hampstead War Nurseries“, heute als „Hampstead Child Therapy Clinic“ bekannt, ein vitales Zentrum der Lehre und Praxis für Kinderanalyse und analytische Psychotherapie.

Bis ins hohe Alter war Anna Freud Kinderanalytikerin, Ausbilderin und Herausgeberin der Zeitschrift „Psychoanalytic Studies of the Child“ sowie zahlreicher Publikationen. So wurde sie zur Pionierin der psychoanalytischen Kindertherapie.