Kontakt / Über uns

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Arbeitsgemeinschaft Anna Freud e.V.
Theaterplatz 15
52062 Aachen

Kontonr.: 1 070 396 781
BLZ: 390 500 00
IBAN: DE79 3905 0000 1070 3967 81
SWIFT/BIC: AACSDE33XXX
Sparkasse Aachen

1. Vorsitz: Marita Zander-Barts
Stellvertretende Vorsitzende: Margarete Nachtwey
Schatzmeisterin: Heike Schmitt
Schriftführung: Dr. Gabriele Potthoff-Westerheide

Über uns

Als praktizierende analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen haben wir den Verein „Anna Freud e.V.“ gegründet, um das Verständnis von seelischer Entwicklung, von Erkrankungen und Krisen und deren zugrunde liegenden unbewussten Konflikten zu fördern.

Mit unserer bisherigen Arbeit ist es uns in Kooperation mit dem Fachbereich Sozialwesen der KatHO (Katholischen Hochschule Abteilung Aachen) gelungen, erfahrene Fachreferenten zu gewinnen, Supervisionen und Fortbildungsangebote zu organisieren und uns in aktuellen öffentlichen Stellungnahmen für ein analytisches Verstehen einzusetzen. Unsere Veranstaltungen richten sich an Kollegen, Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Eltern und alle Interessierten.

Referenten / Veranstaltungen

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Dr. Hans Hopf

Für Jungen zu viel Ritalin und zu wenig Pädagogik – in der Erziehung wieder väterliche Strukturen schaffen (21.03.2012, Aachen)

Der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Dr. Hans Hopf sprach auf Einladung von Renate Gaspar, Arbeitsgemeinschaft Anna Freud, und Prof. Jörg Baur, KatHO NRW Aachen (v.l.) über unruhige und hyperaktive Jungen.

Der Vortrag von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Dr. Hans Hopf fand am 19.03.2012 statt. Über 450 interessierte pädagogische und therapeutische Fachkräfte, Studierende und Eltern waren gekommen, um sich zu informieren.

Unruhige, hyperaktive und oft unbeherrschte Jungen werden jährlich mit 1,3 Millionen Tabletten Ritalin behandelt – das entspricht einem Anstieg von 5000 Prozent über die letzten 17 Jahre gesehen. Eine besorgniserregende Entwicklung, die mit mehr Pädagogik und Therapie statt mit Medikamenten beantwortet werden sollte, so der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Deutlich mehr Männer müssten in therapeutischen und (sozial-) pädagogischen Berufen präsent werden, um so dem Trend der Feminisierung der frühen institutionalisierten Erziehung entgegen zu wirken. „Pädagogik und Psychoanalyse müssen wieder verstärkt väterliche Strukturen fördern“, forderte er in seinem Vortrag.

In Kindergärten beträgt der Frauenanteil 95,9 Prozent, in Grundschulen immer noch 85,8 Prozent – Männer stellen in der frühen Erziehung eine rare Spezies dar. Gleichzeitig werden jedoch drei Mal so viele Jungen wie Mädchen psychotherapeutisch behandelt. Häufigste Symptome der Jungen sind Aggressivität, ADHS und Lese-, Sprech-, Sprach- und Rechtschreibstörungen. Jungen bringen so Sand ins soziale Getriebe von Kita und Schule und „sie stören“, heißt es aus der Sicht der Erziehenden.

Dr. Hans Hopf warf einen anderen, psychoanalytischen Blick auf das affektgeladene, symptomatische Verhalten vieler Jungen. Diese versuchen, ihre unbewussten, inneren Konfliktspannungen über ein nach außen gerichtetes Verhalten abzureagieren. Jungen sind grundsätzlich begeistert von Bewegung, Abenteuer und Wettstreit, was auf das Hormon Testosteron zurückzuführen ist, erklärte Hopf. Und diese Lust an Bewegung sollte nicht unterdrückt werden. Mädchen und ihre Bedürfnisse nach Nähe und Beziehungen dürften nicht zum Maßstab werden, an dem Jungen gemessen werden, warnte er gleichzeitig.

Der gesunde Drang der Jungen nach Bewegung und Abenteuer werde in der Pädagogik zu wenig beantwortet. Zu sehr würden ADHS-Symptome allein auf biologische Ursachen zurückgeführt, statt das Wechselspiel von Leib, Seele und Umweltbedingungen im Ganzen zu betrachten. Verantwortungsvolle und psychisch präsente Väter oder auch öffentliche Vaterfiguren können dazu beitragen, dass „Zappelphilipp-Symptome“ erst gar nicht entstehen, sagte Hopf.

Die flächendeckende Versorgung mit Ritalin ohne therapeutische Begleitung betrachten er und viele seiner Kollegen mit großer Sorge. Auch das Ausweichen der Jungen in die Computerwelt, wo sich mit sofortiger Wirkung Sieger- und Größengefühle leicht herstellen lassen, wertete Hopf als eine bedenkliche Entwicklung. Jungen brauchen das ermutigende und gleichzeitig Grenzen setzende männliche Element in der Erziehung – das im Übrigen für Mädchen genauso wichtig sei – betonte Hopf.

 

Person

Dr. Hans Heinz Hopf wurde 1942 in Teplitz-Schönau (Teplice), im heutigen Tschechien, geboren. Nach dem Abitur Pädagogik-Studium mit den Hauptfächern Mathematik und Physik, danach Lehrer an Grund- und Hauptschulen.

Ausbildung zum analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten an der Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie und Psychoanalyse. 1979 Gründungsvorstand des Psychoanalytischen Lehr- und Forschungsinstitutes „Stuttgarter Gruppe“ (heute: Psychoanalytisches Institut Stuttgart), Dozent und Kontrollanalytiker. Ab 1987 Studium an der Universität Ulm (Medizinische Psychologie, Physiologie und Psychiatrie); 1989 Promotion an der Fakultät für Theoretische Medizin der Universität Ulm und an der Forschungsstelle für Psychotherapie Stuttgart zum Dr. rer. biol. hum. („Inhaltsanalytische Erfassung von Oknophilie und Philobatismus in den Träumen von Kindern und Jugendlichen“). Als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut in freier Praxis tätig, ab 1995 Therapeutischer Leiter im Therapiezentrum „Osterhof“, Baiersbronn.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen mit den Schwerpunkten Aggression, Traum und spezielle Neurosenlehre bei Kindern und Jugendlichen; schriftstellerische Arbeiten und über 60 Beiträge für Rundfunk und Fernsehen. Seit 1999 von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ernannter Gutachter für ambulante tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. Tätig als Dozent und Kontrollanalytiker an den Psychoanalytischen Instituten Stuttgart, Freiburg und Würzburg. Verheiratet, drei erwachsene Kinder.

 

Literatur

Hans-Hopf-Evelyn-Heinemann-ADHS Evelyn Heinemann, Hans Hopf: ADHS

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Störung mit und ohne Hyperaktivität AD(H)S zählt heute zu den häufigsten Diagnosen im Kindes- und Jugendalter. Gegen den inflationären Gebrauch der Diagnose und die Tendenz, ausschließlich organische Ursachen in Betracht zu ziehen und demzufolge überwiegend medikamentös zu behandeln, lenkt das Buch die Aufmerksamkeit auf die soziokulturellen Hintergründe, die sich nicht zuletzt in veränderten Erziehungsformen niederschlagen. Die Lebensgeschichten der Kinder und Jugendlichen sowie ihre psychischen Konflikte werden beschrieben und geschlechtsspezifisch interpretiert. Anhand von Fallbeispielen werden Familiendynamiken szenisch verstanden und der analytische Prozess in Therapie und Pädagogik aufgezeigt. Die Frage des Ritalinkonsums wird ethnopsychoanalytisch und an Fällen kritisch hinterfragt. Das Buch besticht durch seine zahlreichen Fallbeispiele, die Theorie und Praxis miteinander verbinden.

 

Hans-Hopf-Evelyn-Heinemann-Psychische-Störungen-Kindheit-Jugend Evelyn Heinemann, Hans Hopf: Psychische Störungen in Kindheit und Jugend

Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter sind weit verbreitet; doch nur wenige der Betroffenen erhalten die notwendige pädagogische und therapeutische Unterstützung. Das Buch gibt einen Überblick über die Symptome und die zugrunde liegende Psychodynamik der verschiedenen Störungen. Es führt in die psychoanalytische Theorie und Behandlung von Kindern und Jugendlichen ein, behandelt Störungsbilder der Neurosen, narzisstische Störungen, psychosomatische Störungen, Borderline-Störungen und Psychosen sowie Sprachstörungen. Jede psychische Störung wird mit einem ausführlichen Fallbeispiel dargestellt. In der Diskussion um das Fallbeispiel werden sowohl die Psychodynamik als auch die pädagogischen und therapeutischen Implikationen diskutiert. Das Buch schließt so den Bogen vom pädagogischen Alltag über die sonder- und sozialpädagogische Förderung zur psychoanalytischen Therapie von Kindern und Jugendlichen.



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Analytische Kindertherapie

Analytische Kindertherapie

Die analytische Kindertherapie hat zum Ziel, die emotionale Welt von Kindern und Jugendlichen zu verstehen. Es sollen für ihre seelischen Konflikte Lösungen gefunden werden, damit Symptome an Bedeutung verlieren und überflüssig werden.

Kinder und Jugendliche

Reifungsprozesse und Entwicklungsschritte bestimmen die Kindheit und das Jugendalter. Manches Mädchen, mancher Junge geraten dabei in schwere Krisen und unlösbare innere Konflikte oder erleben traumatisierende Beziehungen und Ereignisse, die die unbeschwerte Entwicklung hemmen. Dabei können psychische und somatische Symptome auftreten, wie etwa Ängste, Zwänge, Depressionen, Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten, Suizidgedanken, Beschwerden wie Bauchund Kopfschmerzen, soziale Auffälligkeiten wie Rückzug, Schule schwänzen, Stehlen und Lügen.

Sind diese Symptome nicht nur vorübergehender Natur, sondern bringen das Kind und seine Umwelt in Not und Sorge, dann brauchen die Heranwachsenden therapeutische Hilfe.

Denn „Zeit allein heilt keine Wunden“

(Eckstaedt, Anita; Klüver, Rolf: Zeit allein heilt keine Wunden, Frankfurt a.M. 1980)

Anna Freud

Anna Freud im Portrait
( *1895 in Wien – †1982 in London)

Anna Freud wurde 1895 in Wien geboren. Sie war die jüngste Tochter von Martha und Sigmund Freud und wurde in den 1920er Jahren eine seiner engsten Mitarbeiterinnen.

Als gelernte Pädagogin entwickelte sie die Psychoanalyse des Kindes in Theorie und Praxis („Einführung in die Technik der Kinderanalyse“, 1927; „Wege und Irrwege in der Kinderentwicklung“, 1965). Ihre Schrift „Das Ich und die Abwehrmechanismen“ (1936) ist ein Meilenstein in der Weiterentwicklung der psychoanalytischen Theorie.

1938 emigierte Anna Freud mit ihrer Familie und ihrem schon schwer kranken Vater nach London. Dort gründete sie mit Dorothy Burlingham ein Waisenheim für kriegstraumatisierte Kinder, die „Hampstead War Nurseries“, heute als „Hampstead Child Therapy Clinic“ bekannt, ein vitales Zentrum der Lehre und Praxis für Kinderanalyse und analytische Psychotherapie.

Bis ins hohe Alter war Anna Freud Kinderanalytikerin, Ausbilderin und Herausgeberin der Zeitschrift „Psychoanalytic Studies of the Child“ sowie zahlreicher Publikationen. So wurde sie zur Pionierin der psychoanalytischen Kindertherapie.